Doppelt so viele Lkw über Brenner wie über alle Schweizer Pässe

Juni 18 2016

Während der Transitverkehr über die Schweizer Alpenpässe kontinuierlich sinkt, steigt er auf der Brennerroute immer weiter an.

Mit dem sektoralen Lkw-Fahrverbot sollen 200.000 Lkw-Fahrten von der Autobahn verbannt werden.

Innsbruck, Wien – Die höchste Stickstoffdioxid-Belastung Österreichs, gesundheitsschädliche Lärmbelastung für die Anrainer. und extrem teure Straßenschäden ­ die Belastungen Tirols durch den Lkw Verkehr sind enorm. 2015 fuhren 2,1 Millionen Lkw durch Tirol. Das sind doppelt soviel Transitfahrten wie auf allen großen Schweizer Alpenpässen zusammen.

In diesem Kontex kritisiert der Verkehrsclub Östereich (VCÖ) die Vorgehensweise der EU. „Es ist wichtig, dass Tirol das sektorale Fahrverbot umsetzen kann . Schiene statt Lkw sind keine Einschränkung des freien Warenverkehrs“, betont der VCÖ in einer Aussendung. Reine Transitfahrten sollten die Alpen idealerweise nur nach Verladung auf die Schiene queren. Der Verkehrsclub fordert in diesem Zusammenhang auch mangelnde Kostenwahrheit: „So lange im Lkw-Verkehr in der EU keine Kostenwahrheit besteht, können die Lkw-Kolonnen nur mit Maßnahmen, wie sektorale Fahrverbote oder Mengenbeschränkungen reduziert werden.“ Zudem sei es an der Zeit die Steuerbegünstigung auf Diesel abzuschaffen.

Kontinuierlicher Rückgang in der Schweiz

„Während die Zahl der Lkw über den Brenner massiv steigt, habe die Schweiz in den vergangenen fünf Jahren bei stärkerem Wirtschaftswachstum als in Österreich einen kontinuierlichen Rückgang des Lkw-Verkehrs erreicht. „Was umweltfreundlichen Güterverkehr betrifft, können die EU-Staaten von der Schweiz viel lernen“, betont VCÖ-Experte Markus Gansterer. So hätten im Vorjahr nur mehr 1,01 Millionen Lastwagen die vier Schweizer Alpenübergänge Gotthard, San Bernardino, Simplon, Gr. St. Bernhard überquert. „Das waren um 250.000 weniger als noch im Jahr 2011“, so Gansterer. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der Transitfahrten auf der Brennerroute um über 100.000 gestiegen.

Muellner

Die Schweiz zeige vor, was faire Transportkosten und konsequente Forcierung des Schienengüterverkehrs bringen. In der Schweizs sei die Lkw-Maut deutlich höher als in Österreich, weil auch die gesamten externen Kosten, wie Umwelt- und Gesundheitsschäden eingerechnet würden.  „Die EU sollte bei der Maut statt einer Obergrenze eine Mindestmaut für Lkw vorschreiben und dabei die externen Kosten mitberücksichtigen“, sieht Gansterer die EU und ihre Mitgliedsstaaten gefordert. Zusätzlich gelte die Schweizer Lkw-Maut auf allen Straßen und nicht nur auf Autobahnen und Schnellstraßen. Und in der Schweiz wird, anders als in Österreich, Diesel gleich hoch besteuert wie Eurosuper.

Steuerbegünstigungen für Diesel abschaffen

In Österreich ist die Mineralölsteuer auf Diesel um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Eurosuper. Eine aktuelle Studie der Wirtschaftsförderungsinstituts (WIFO) zeigt, dass dieses  Steuerprivileg für Diesel jährlich rund 640 Millionen Euro ausmacht. Der VCÖ weist in diesem Kontext darauf hin, dass in Italien 100 Liter Diesel um rund 25 Euro mehr kosten als in Österreich, die Abschaffung der Steuerbegünstigung von Diesel reduziert die Differenz auf rund 16 Euro. „All jene, die um Einnahmen aus dem Tanktourismus fürchten, können beruhigt werden. Die Lkw werden weiterhin ihre Tanks auf der Fahrt nach Italien in Österreich füllen“, ist sich Gansterer sicher. (hu, tt.com)

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